Der Auftakt des diesjährigen InnovationsFestivals in der lille Brauerei am 29. August stand ganz unter der Überschrift „Kreative Räume“. In einer Keynote, in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion haben sich Akteur*innen aus der Kreativwirtschaft, aus Unternehmen, öffentlichen Institutionen und Hochschulen sich den Fragen gewidmet, wo sich kreative Räume befinden und warum sie wichtig sind.

Kreative Räume sind heiß begehrt. Unternehmen wollen sie für Innovationen, Künstler brauchen sie für ihr Schaffen, Privatleute wünschen sich, sich darin zu entfalten. Doch was sind diese kreativen Räume, deren Konnotation zweifellos positiv ist? Ein Raum scheint abgesteckt, gleichzeitig sind es doch aber „Freiräume“ die Kreativität begünstigen.

Versuchen wir, Räume als Anker zu denken. Als Anker für Ideen, Innovationen und Projekte. Und kreativ als Ableitung des lateinischen Wortes creare – schaffen bzw. erschaffen zu verstehen. Kreative Denk- und Entwicklungsprozesse brauchen einen Anker. Und zuweilen auch eine „Ankerkette“, an der sie sich entlanghangeln können. Denn wie das Wort Prozess schon sagt: es passiert etwas, etwas wird geschafft oder eben erschaffen.

Vom Abstrakten ins Konkrete…

Wenn wir an kreative Räume in Kiel denken, dann sehen wir eine ehemalige Kunsthochschule, die heute von diversen Projekten und Start-ups besetzt wird. Leerstand führte dazu, dass sich Werkstätten, Künstler und sozial Engagierte ansiedelten. Die frühere Muthesius Kunsthochschule – heute die „Alte Mu“ – wuchs organisch und ist inzwischen ein Zentrum für nachhaltige Projekte und Start-ups.

Wir sehen auch den Anscharcampus. Dort beherbergt ein ehemaliges Marinelazarett heute freischaffende Kreative, einen Kunstverein, die Heinrich-Böll-Stiftung, den aus dem Projekt VekselWirk hervorgegangenen Coworking Space „VekselWerk“ und die kunsthochschulnahe Institution Transferpark. Historische Gebäude mit großen Räumen, hohen Decken und ein üppiger Park sind dort das Markenzeichen.

Auch die Starterkitchen ist als kreativer Raum und Coworking Space in Kiel in Kiel nicht wegzudenken. In mehreren Räumen des Kieler Wissenschaftsparks sitzen dort Jungunternehmer*innen, die an ihren Businessideen arbeiten und schon einige Produkte auf den Markt gebracht haben. Das Team der Starterkitchen steckt auch hinter dem Waterkant Start-up Festival. Dort haben sich dieses Jahr im Juni schon zum vierten Mal über 1000 Besucher*innen mit den aktuellsten Themen und Innovationen u.a. aus den Bereichen Digitalisierung, Virtual Reality, Nachhaltigkeit und New Work auseinandergesetzt. Das Ganze auf einem ehemaligen Marinegelände mit Halle und unmittelbarer Nähe zur Waterkant („Wasserkante“).

Unter anderem aus der Starterkitchen hervorgegangen sind die Bierbrauer von lille. Diese haben inzwischen eine eigene Brauerei gebaut. Dort wird nicht nur Bier gebraut, sondern auch ständig neue Ideen und Konzepte. So nutzen sie ihren Schankraum auch als vielfältige Eventlocation, haben ein Foodfestival auf die Beine gestellt, lassen von einem lokalen Bäcker ein Brot mit ihren Brauresten backen und tüfteln gerade an einem lokalen, sortenreinen Apfelsaft, dessen Erlös teilweise an soziale Projekte in Kiel gehen soll, herum.

In allen genannten Beispielen – es gibt natürlich noch viele andere kreative Räume in Kiel – gibt es einen (oder mehrere) Räume bzw. Gebäude, die als Anker für ihre Nutzer*innen verstanden werden können. Von dort aus agieren sie und entwickeln sie sich. Die in den Räumen vertretenen Themen/Fokusse – teils vorgegeben, teils sich entwickelnde – dienen dabei oftmals als Orientierung oder Leitfaden.

Im Rahmen des InnovationsFestivals hat sich eine Auswahl von Coworking Spaces und kreativen Räumen dem Publikum mit ihren Schwerpunkten präsentiert. Mit Gründungsförderung, Social Entrepreneurship, Kunst, Start-up Business, Aktivierung ländlicher Räume, Bier und Gastronomie zeichneten sie dabei ein buntes Bild der Angebote in der KielRegion.

Und genau deshalb sind kreative Räume in allen Farben, Größen und Ausrichtungen wichtig. Denn die Bedarfe der Nutzer*innen sind vielfältig und Innovation, Kreativität und Tatendrang brauchen Raum für Entwicklung und Wachstum.